Drei Monate Kanada: Zwischen Tunnelbau, Nachtschichten und Roadtrips
Drei Monate lang arbeitete Roman beim Projekt ATC2 im Stadtbezirk York in Toronto. Das Projekt ist Teil der U-Bahn-Erweiterung in Richtung Westen der Stadt und umfasst zwei rund 500 Meter lange Tunnelröhren sowie die dazugehörigen Portalbereiche. Während die erste Röhre kurz vor Romans Ankunft durchbrochen wurde, erlebte er den Durchbruch der zweiten Röhre Ende Juli direkt vor Ort mit.
Mit Neugier in den Tunnelbau
Vor seiner Abreise hatte Roman ein klares Ziel: Er wollte mehr über den Tunnelbau erfahren und erleben, wie sich die Arbeit auf einer Baustelle im Ausland von jener in der Schweiz unterscheidet. Während seines Studiums hatte er zwar bereits erste Berührungspunkte mit dem Tunnelbau, praktische Erfahrung fehlte ihm jedoch noch.
Schon in den ersten Tagen merkte er, dass ihn in Kanada ein anderer Arbeitsalltag erwartete. Besonders der Verkehr in Toronto fiel ihm sofort auf. Trotz der grossen Highways prägen Staus das Stadtbild, und vielerorts bleibt das Auto das wichtigste Verkehrsmittel. Umso passender, dass Roman bei einem Projekt mitarbeitete, das den öffentlichen Verkehr der Metropole künftig verbessern soll.
Auch der Einstieg auf der Baustelle überraschte ihn. Während der ersten beiden Wochen standen zahlreiche Sicherheitsschulungen auf dem Programm. Diese intensive Vorbereitung vermittelte ihm eine wichtige Grundlage für seine späteren Aufgaben im laufenden Baustellenbetrieb.
Plötzlich Schichtingenieur
Kurz nach Romans Ankunft ergab sich eine unerwartete Möglichkeit: Einer der drei Schichtingenieure verliess das Projekt, und Roman durfte dessen Aufgaben übernehmen. Nach einer kurzen Einarbeitungsphase arbeitete er in zwölfstündigen Schichten, tagsüber, nachts und auch am Wochenende. Die Baustelle war rund um die Uhr in Betrieb, eine für ihn völlig neue Erfahrung.
Zu seinen Aufgaben gehörte es, sämtliche Arbeitsschritte beim Tunnelvortrieb zu dokumentieren. Darüber hinaus kümmerte er sich um Materialbestellungen und führte regelmässig Qualitätsprüfungen am Bauwerk durch. Besonders spannend fand er die Nähe zum eigentlichen Baugeschehen:
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STRABAG -
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Eine Grossbaustelle mit neuen Dimensionen
Einen direkten Vergleich zwischen den Baustellen in Kanada und der Schweiz findet Roman schwierig. Zu unterschiedlich waren die Projekte, an denen er bisher mitgearbeitet hatte. In Toronto war er erstmals Teil einer Grossbaustelle mit deutlich mehr Beteiligten, komplexeren Strukturen und einer hohen öffentlichen Aufmerksamkeit.
Wie gross das Interesse an dem Infrastrukturprojekt war, zeigte sich spätestens nach dem Tunneldurchbruch: Der Verkehrsminister von Ontario hielt direkt auf der Baustelle eine Pressekonferenz ab. Für Roman wurde in diesem Moment besonders sichtbar, welche Dimension das Projekt hatte.
Die Zusammenarbeit innerhalb von STRABAG erlebte er dabei ähnlich wie in der Schweiz. Viele Prozesse und Arbeitsweisen waren ihm vertraut, da auch die kanadische Organisation europäisch geprägt ist. In der Zusammenarbeit mit externen Projektbeteiligten lernte er zugleich, wie wichtig klare Absprachen, gemeinsame Qualitätsstandards und ein abgestimmtes Verständnis der Arbeitsabläufe sind.
Wachsen an einer neuen Verantwortung
Die kurzfristige Übernahme der Position als Schichtingenieur forderte Roman. Nach einer kurzen Einarbeitungszeit musste er viele Aufgaben selbstständig bewältigen. Hinzu kam die sprachliche Herausforderung, insbesondere bei technischen Begriffen.
Zu Beginn fühlte er sich deshalb teilweise überfordert. Gleichzeitig konnte er auf die Unterstützung seines Teams zählen und fand sich schnell in seiner neuen Rolle zurecht. Rückblickend gehört gerade diese Erfahrung zu den wertvollsten seines Auslandseinsatzes. Sie zeigte ihm, dass er auch unter ungewohnten Bedingungen Verantwortung übernehmen und sich rasch in neue Themen einarbeiten kann.
Auch abseits der Baustelle lernte Roman viel über sich selbst. Durch den Schichtbetrieb fielen seine freien Tage häufig nicht auf das Wochenende. Während seine Arbeitskolleg:innen arbeiteten, musste er seine Freizeit deshalb oft allein gestalten. Statt sich davon ausbremsen zu lassen, nutzte er die Gelegenheit, Toronto und die Umgebung selbstständig zu entdecken.
Mit dem Velo nach Niagara
Ein erstes Highlight erwartete Roman bereits kurz nach seiner Ankunft. Arbeitskollegen luden ihn zu einer zweitägigen Velotour von Toronto nach Niagara ein. Gemeinsam mit rund 5’000 weiteren Velofahrer:innen sammelten sie dabei Geld für die Krebsforschung.
Daneben nutzte Roman seine freie Zeit für zahlreiche Roadtrips. Besonders beeindruckt haben ihn die abwechslungsreichen Landschaften rund um Toronto: ausgedehnte Wälder, klare Seen, felsige Gebiete, Inseln und eine vielfältige Tierwelt. Sein Tipp für alle, die Kanada besuchen möchten, fällt deshalb eindeutig aus: ein Auto mieten, losfahren und die Natur entdecken.
Auch die Freundlichkeit der Menschen blieb ihm in Erinnerung. Gerade die allgemeine Freundlichkeit und kleinen Gesten im Alltag trugen dazu bei, dass er sich in Kanada willkommen fühlte.
Was bleibt von drei Monaten Kanada?
Für Roman war der Einsatz in Kanada nicht einfach eine weitere Station seines Traineeprogramms. Zwar hatte er bereits in der Schweiz an unterschiedlichen Projekten gearbeitet und dabei verschiedene Aufgaben übernommen, doch die Zeit in Toronto brachte nochmals neue Erfahrungen mit sich. Entscheidend war für ihn dabei weniger das Land selbst als die Möglichkeit, in einem völlig neuen Umfeld zu arbeiten und andere Projektgrössen kennenzulernen. Zum ersten Mal war er Teil eines internationalen Teams und arbeitete auf einem Grossprojekt, das deutlich grösser war als die Baustellen, die er bisher kannte.
Besonders schätzt er die praktische Erfahrung, die er während seines Traineejahres sammeln konnte. Vor seinem Einstieg war er hauptsächlich in der Planung tätig. Auf den verschiedenen Baustellen, insbesondere während seines Auslandseinsatzes, erhielt er nun die Möglichkeit, Bauprojekte direkt vor Ort mitzuerleben und Verantwortung zu übernehmen. Rückblickend ist er überzeugt, dass genau diese Erfahrungen ihn fachlich und persönlich weitergebracht haben.
Auf seine Rückkehr in die Schweiz freut er sich zwar schon, vor allem auf Familie, Freund:innen und darauf, wieder regelmässig Sport treiben zu können. Die Monate in Kanada werden ihm aber noch lange in Erinnerung bleiben. Nicht nur wegen der vielen Roadtrips und der eindrucksvollen Natur, sondern auch wegen der Erfahrung, mehrere Monate fern von zu Hause in einer Millionenstadt zu leben und sich dort ein neues Umfeld aufzubauen.
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