Zwischen Karriere und Familienplanung

08.03.2023
Gesa Mahlstedt ist Bauleiterin und arbeitete bis Dezember 2022 am Projekt SAP Garden München. Im Interview spricht sie über ihren Beruf, über Herausforderungen in der Branche, und über ihre Wünsche, die sie an die Zukunft hat.
Bild von zwei Mitarbeiterinnen auf der Baustelle
  • Ich möchte im nächsten Karriereschritt Projektleiterin werden. Das mit dem Wunsch nach Familie zu vereinbaren ist eine Herausforderung. Hier müssen Frauen (und auch Männern!) gute Möglichkeiten geboten werden, beides zu vereinbaren: zum Beispiel durch Jobsharing – auch in der Bau- und Projektleitung.

    Gesa Mahlstedt
    Bauleiterin bei ZÜBLIN

Was hat dich zu ZÜBLIN geführt?
Ich bin in Hamburg geboren, in Berlin aufgewachsen, habe in Essen mein Abitur gemacht und in Aachen Bauingenieurwesen studiert und mit dem Master abgeschlossen. Ein Freund arbeitete damals als Werkstudent bei Ed. Züblin. Ihm hat es gefallen und so habe auch ich mich beworben und bin dann 2014 selbst als Werkstudentin bei Ed. Züblin eingestiegen. Meine Eltern und Großeltern kommen vom „Bau“. Ich wollte erst in eine andere Richtung und gar nicht im Bauwesen arbeiten, sondern Medizin studieren. Da ich aber die vielen Wartesemester nicht aussitzen wollte, habe ich mein Studium zur Bauingenieurin begonnen. Darüber bin ich heute sehr froh. Ich war für den Konzern schon in Hamburg, Köln und jetzt in München und habe dort an interessanten Projekten gearbeitet.

Ist dein Job so, wie du ihn dir vorgestellt hast?
Durch meine Eltern wusste ich schon einiges über die Baubranche. Vor allem während meiner Zeit als Werkstudentin habe ich dann noch tiefere Einblicke und somit eine gute Vorstellung von meinem Beruf gewonnen. Am Anfang war es ungewohnt ausschließlich mit Männern zu arbeiten und ich musste meinen Standpunkt vertreten. Das lag aber nicht nur am Geschlecht, sondern auch am Alter. Ich war deutlich jünger als viele meiner Kolleg:innen und Mitarbeiter:innen. Tatsächlich hatte ich mehr Frauen an meinem Arbeitsplatz erwartet. Im Studium war das Verhältnis Frauen-Männer ca. 40% zu 60%, wenn man die Wirtschaftsingenieur:innen einschließt, mit denen wir die meisten Kurse gemeinsam hatten. Beim reinen Bauingenieurwesen Studium (welches ich gemacht habe) lag die Verteilung bei ca. 20% zu 80%. Das im Gesamtstudium gegebene Verhältnis (40/60) finde ich nicht immer wieder in meinen Projekten und Stationen im Konzern. Meist liegt es darunter.

Wo hast du Hürden genommen, die du allein aufgrund deines Geschlechts hattest?
Es gab einen Bauleiter eines Nachunternehmers, der offenbar etwas gegen Frauen in der Baubranche hatte und immer zu meinem Projektleiter ging, statt mit mir direkt zu kommunizieren. Irgendwann habe ich dies sowohl bei besagtem Bauleiter als auch bei meinem Projektleiter angesprochen. Mein Projektleiter hat für klare Rollenverhältnisse gesorgt und jedes Mal, wenn eine Rückfrage oder Mail an ihn statt an mich ging, gesagt: „Ich bin nicht zuständig. Bitte wende dich an Gesa.“ Der Bauleiter hat irgendwann gemerkt, dass er nur weiterkommt, wenn er sich an mich wendet und dass ich meinen Job gut beherrsche. Am Ende hat er meiner Bereichsleitung gesagt, dass es eine wunderbare Zusammenarbeit mit mir gewesen sei. Das war zum Glück bisher meine einzige Hürde, dich ich erlebt habe.

Was magst du am liebsten an deinem Job?
Die Kommunikation mit Menschen, empathisch zu sein und mit Menschen zusammenzuarbeiten.

  • Ich wache jeden Morgen auf und denke: „Jej! Ich kann zur Arbeit gehen!“. In meinem Beruf siehst du jeden Tag, was entsteht und am Ende hast du ein fertiges Bauwerk.

    Gesa Mahlstedt
    Bauleiterin bei ZÜBLIN

Hast du ein Ziel?
Hoffentlich nie den Spaß am Job verlieren! Beruflich möchte ich im nächsten Schritt Projektleiterin werden und mich dann entlang der Linie weiterentwickeln. Hier sehe ich noch die Hürde Familienplanung. Diesbezüglich müssen Frauen (und auch Männern!) gute Möglichkeiten geboten werden, beides zu vereinbaren: zum Beispiel durch Jobsharing – auch in der Bau- und Projektleitung.“

Was wünschst du dir für die Zukunft bei STRABAG?
Ich bin ein großer Fan davon, die Digitalisierung voranzutreiben. Ich wünsche mir einheitliche Standards und Tools dazu, wie und ob Daten erfasst werden, um an einem Projekt zu arbeiten. Aktuell gibt es so viele Wege, wie man alles machen und erfassen kann. Bei jedem neuen Projekt kommen wieder neue Erfahrungen und Standards zusammen und wenn jede:r andere Tools und Dokumentationen nutzt, fangen wir jedes Mal wieder von vorne an. Das kostet viel Zeit und Kraft.

Ein weiterer Wunsch: In Hamburg hatte ich wenige weiblichen KollegInnen in der technischen Funktion und hier in Bayern sind es 50/50. Mein Gefühl in Hamburg war: Warum stellen wir so wenig Frauen ein? Bzw. warum bekommen wir Frauen nicht davon überzeugt im Projekt, also draußen auf der Baustelle zu arbeiten, sondern eher im Innendienst?

Darum wünsche ich mir mehr sichtbare Veranstaltungen an Unis, die sich darauf spezialisieren, Frauen anzuwerben. Ein Freund von mir arbeitet in einer Unternehmensberatung und sie machen reine Frauenveranstaltungen an Unis. Das funktioniert laut seiner Aussage sehr gut.